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Cöpenicker “Weltwunder”

Die Sieben Cöpenicker Weltwunder

– historische Anachronismen zum Schmunzeln –
Köpenick und sein Hauptmann – das gehört zusammen! Aber Wunder? Es sind eher die Wunderlichkeiten des alten Cöpenick, die uns heute noch schmunzeln lassen. „Wunder“ aus einer Welt, die lange Zeit durch die Flüsse Spree und Dahme begrenzt war . Erst Ende des 19. Jahrhunderts dehnte sich Köpenick über seine Brücken aus. Die Eingemeindung nach Berlin erfolgte 1920. Die Stadt gab dem 16. Berliner Bezirk dann auch seinen Namen. Aber dieser größte Bezirk Berlins konnte viele seiner besonderen Reize bewahren.

Als Waschküche Berlins mauserte sich Cöpenick und durch weitere Gewerbeansiedlungen wurde es noch vor dem Ersten Weltkrieg zu einem Wirtschaftszentrum.
In dieser Zeit des Umbruchs gab es die Köpenicker Merkwürdigkeiten. Getragen vom Humor seiner Bewohner, wurden sie zur Legende.

1 Der Köpenicker Lehrer hieß Dummer

Zu Dummers Zeit war die Köpenicker Lehrerzahl schon recht beachtlich. Es war also nicht der Köpenicker Lehrer, der Dummer hieß, sondern ein Lehrer. Unbestreitbar war Lehrer Dummer, der im Oktober 1882 in Köpenick seinen Schuldienst begann, ein bekannter Mann. Dazu trugen nicht nur tausende Schüler bei, die er im Laufe seiner 28jährigen Tätigkeit als Lehrer erzog, sondern auch sein Wirken in verschiedenen Gremien der Stadt. 1908 brachte er seine Kenntnisse in die Schuldeputation der Stadtverordnetenversammlung ein. In der Kirchenvertretung der Stadtkirche fehlte er ebenso wenig wie als Vorstandsmitglied des Bezirksvereins der Köllnischen Vorstadt. Der Lehrerverein konnte auf ihn genauso zählen wie die Liedertafel, der sein Rektor Runge vorstand. Im Dienstzimmer des Rektors der 4. Gemeindeschule war es auch, wo Maximilian Dummer am 22. Dezember 1915 tot zusammenbrach. Dummer, der am 22. Juli 1861 in Pyritz geboren wurde, war erst wenige Wochen vorher wegen eines Unfalls vom Kriegsdienst beurlaubt worden. Nun stand er der „Freiwilligen Genossenschaft der Krankenpfleger“ als Kolonnenführer vor. Bereits am 7. Juli 1915 war seine Frau Else im Alter von 38 Jahren verstorben. Lehrer Dummer blieb in guter Erinnerung, sonst würde er uns nicht seit langer Zeit als ein „Köpenicker Wunder“ begleiten.

2 Der Köpenicker Stadtarzt hieß Dr. Todt

Wenn der Stadtarzt Todt heißt, dann ist es nur zu verständlich, dass sein Name zum Wundern Anlass gibt. Ungefähr 1874, also kurz nach der Amtseinführung Gustav Borgmanns als Köpenicker Bürgermeister, begann Dr. Adolf Todt seine Tätigkeit als Arzt in der Stadt Köpenick. Es ist bisher nicht bekannt, ob er, damals 26jährig, als Sohn der Stadt oder als „Fremder“ hier in städtische Dienste eintrat. Als Armenarzt und Arzt im Köpenicker Krankenhaus lernte er während seiner Amtszeit auch die Schattenseiten der sich vor seinen Augen immer mehr ausbreitenden Stadt kennen. Er hielt der Stadt 28 Jahre, bis zu seinem Tode am 18. September 1902, die Treue.

3 Fräulein von Flemming gründete den Jungmännerverein

Die Gründungszeit und die genaue Bezeichnung des Vereins sind nicht überliefert. Oft wird von einem Verein Junger Christlicher Männer gesprochen. Tatsache ist, dass Fräulein Flemming ausgezeichneten Kontakt zu Pastor Wolff von der evangelischen Stadtkirche St. Laurentius hatte und diesem Spenden übermittelte. Pastor Wolff wirkte von 1896 bis 1916 in Köpenick. Er war Vorsitzender des Evangelischen Jünglingsvereins. Es wird vermutet, dass die Gründung dieses Vereins auf das segensreiche Wirken Adelheid von Flemmings zurückging. Die Flemmings stammten aus dem Hause Buckow, einer Lehnsherrschaft von 14 Rittergütern in der Märkischen Schweiz. Straßenname und Park erinnern noch heute an die Flemmings, die auf ihrem „Landsitz Schöneweide“, wie damals das Anwesen im heutigen Ortsteil Spindlersfeld hieß, lebten. Die Immobilie hatte seinerzeit der Vater Adelheids für ihre Mutter als Witwensitz erworben. 1903 verkaufte Fräulein von Flemming ihre Liegenschaften an den Druckereibesitzer Ernst Rubien. Ihr und seinem Zunftgründer zu Ehren benannte er die entstehenden Straßen Flemming- und Gutenbergstraße. Nach dem Verkauf zog Fräulein von Flemming nach Berlin, wo sie am 15. November 1907 im Alter von 76 Jahren verstarb. Ihrem Wunsch folgend wurde sie in der Familiengrabstätte derer von Flemming auf dem Köpenicker Friedhof Rudower Straße beigesetzt.

4 Ein Bürgermeister namens Borgmann

Es ist nicht überliefert, ob Gustav Borgmann je vor einer leeren Stadtkasse stand und borgen musste. Hier diente wohl mehr sein Name zur Konstruktion eines „Wunders“. Eher war das Gegenteil der Fall. Unter der Führung Borgmanns entwickelte sich Köpenick von einem märkischen Städtchen zur größten Stadt des Kreises Teltow mit einer, für die damaligen Verhältnisse, vorbildlichen Infrastruktur. Die Tatkraft Borgmanns und die seiner Mitarbeiter wurde durch viele Faktoren begünstigt. Als Borgmann 1871 in Köpenick sein Amt antrat, setzten bald im Ergebnis der Reichseinigung und nicht zuletzt aus Reparationen des deutsch-französischen Krieges die sogenannten Gründerjahre ein. Köpenick mit seiner bevorzugten Lage am Hauptwasserweg vor den Toren der Reichshauptstadt profitierte davon.
Die Ablösung der Forstgerechtsamkeit, die Abrundung und Abgrenzung des Stadtgebietes fielen in Borgmanns Zeit, genauso wie die zeitgemäße Umgestaltung der öffentlichen Straßen und Brücken. Auch der Ausbau des Schulwesens ist mit dem Schaffen Borgmanns verbunden. 1904, nach 33 Jahren als Köpenicker Bürgermeister trat der am 15. Februar 1838 geborene Borgmann aus Altersgründen von seinem Amt zurück. Leider war es dem Ehrenbürger Köpenicks nur noch kurze Zeit vergönnt, seinen Lebensabend zu genießen. Am 6. April 1908 verstarb Gustav Borgmann, kurze Zeit nach seinem 70. Geburtstag. Welcher Politiker wünscht sich nicht diesen aus ehrlichem Herzen kommenden Nachruf: „Gustav Borgmann war ein vorsorgender – bisweilen behutsamer – und stets sich des rechten Weges wohl bewusster Leiter der Stadtverwaltung; ein getreuer, immer bereiter Gehilfe der Bürger, ein teilnehmender Berater derjenigen, denen das Leben hart mitgespielt hatte; ein Freund und Förderer des sinnigen Humors und ehrenhafter Charakter; alles in allem: Seinem Wesen und seiner äußeren Erscheinung nach der erste Bürger unserer Stadt.“

5 Das Krankenhaus am Friedhof

Heute verbindet sich die Bezeichnung „Krankenhaus Köpenick“ naturgemäß mit dem uns bekannten im Allende-Viertel. Aber kurz nach 1870 errichteten die Köpenicker ein Krankenhaus am Rande des Friedhofes Rudower Straße, dort, wo sich seit langem die Räume des Rehabilitationszentrums befinden. Besonders der noch heute vorhandene Fachwerkbau lässt die Beschaffenheit des früheren Krankenhauses erahnen. Hier waltete also Dr. Todt, unterstützt von zwei Krankenschwestern, seines Amtes. Zwei Jahre nach Dr. Todts Ableben kam noch eine dritte Schwester hinzu. Für die Entlohnung der beiden Schwestern standen jährlich 1000 Mark zur Verfügung. Zum Vergleich: im Jahre 1900 wurden täglich 82 Pfennige Verpflegungsgeld pro Patient aufgewandt. Die Bettenkapazität muss um die 40 Plätze betragen haben. Am 29.12.1904 lagen im Krankenhaus 26 Männer und 10 Frauen. Männliche Patienten hielten sich in diesem Jahr im Durchschnitt 18,3 Tage dort auf, die Patientinnen 36,1 Tage. 1904 erhielt das Krankenhaus für 1900 Mark ein Obduktionslokal. Im gleichen Jahr war es auch, als der ausgediente Pferdebahnschuppen zum Pavillon des Krankenhauses umgebaut wurde. Aber trotzt dieser Umbauten reiften schon die Pläne für ein neues Krankenhaus. Nach dessen Eröfnung wurde das alte Köpenicker Krankenhaus als Altersheim genutzt.

6 Das Gefängnis in der Freiheit

Die Straße „Freiheit“ trug diesen Namen schon lange bevor dort das Amtsgericht und Amtsgerichtsgefängnis gebaut wurden. Diese Bezeichnung geht auf die Ansiedlung der Hugenotten in Köpenick um 1700 zurück. Die Hugenotten unterstanden seinerzeit, wie auch die Juden, der Gerichtsbarkeit des Kurfürsten. Um den Hugenotten das Sesshaftmachen zu erleichtern, waren sie von bestimmten Aufgaben/Abgaben befreit. Daher die Straßenbezeichnung Freiheit. Erst 1878-1879 wurde in der Freiheit das Amtsgericht mit dem Gefängnis errichtet. Aber bereits 20 Jahre später entsprach es, bedingt durch das Wachsen der Stadt und des Amtsgerichtsbezirkes, nicht mehr den Anforderungen. Ursprünglich war ein Erweiterungsbau zu Lasten der Schule geplant. Da jedoch damals bereits die Diskussion um den Bau des späteren Dorotheen-Lyzeums begann, heute Sitz von Einrichtungen des Bezirksamtes in der Freiheit 15, wurde der Beschluss gefasst, es in der Dammvorstadt zu bauen. In nur zwei Jahren vom 1.10.1899 bis zum 1.12.1901 wurde das neue Amtsgericht mit einem modernen Gefängnis errichtet. Der heute noch vorhandene Komplex schaffte Arbeitsmöglichkeiten für elf Richter. Das Gefängnis war für 9 Frauen und 43 Männer vorgesehen.

7 Der Ratskeller im ersten Stock

Dass sich der Ratskeller im ersten Stock befindet, ist sicherlich etwas außergewöhnlich. Der Köpenicker Ratskeller befand sich aber noch nicht einmal im Gebäude des alten Köpenicker Rathauses, dem Vorgängerbau des jetzigen Hauses. Er lag dort wo die Straße Alt-Köpenick den Schlossplatz erreicht – an der Ecke, wo sich das Haus mit dem schönen Dachtürmchen befindet. Schon vor dem Ratskeller, der sich dort seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts befand, hieß an gleicher Stelle der „Schwarze Adler“ seine Gäste willkommen. Mit dem Neubau des Köpenicker Rathauses wurden auch die Räumlichkeiten für eine Gaststätte im Hause geschaffen. Mitte 1905 wurde dann der Rathauskeller neu eröffnet. Die Kuriosität des Ratskellers im ersten Stock wurde durch die raschen Veränderungen des Lebens bald zur Legende.

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